Koriander – Ursprung, Anwendung und Wirkung der Pflanze im Überblick

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird die Bezeichnung „Koriander“ für die krautige Pflanze Echter Koriander (Coriandrum sativum) verwendet. Koriander gehört zu den bekanntesten und meistverkauften Gewürz-Pflanzen der Welt. Aber nicht nur in der Kulinarik und als Wirtschaftsgut, sondern auch in der Heilkunde ist Koriander von nicht unerheblicher Bedeutung.

Botanische Einordnung

Koriander Gewürz Pflanze Kraut Anbau

Koriander ist eine vielfältig verwendbare Pflanze. Sie eigenet sich als Gewürz und Heilkraut.
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Coriandrum sativum gehört zur Familie der Doldengewächse. Andere Vertreter dieser Familie sind unter anderem Anis, Dill, Kümmel und Petersilie sowie Karotte. Zusammen mit den weniger bekannten Arten Coriandrum tordylioides und Coriandrum tordylium bildet der Echte Koriander innerhalb der Doldengewächs-Familie die Gattung Coriandrum. Trotz Namensähnlichkeit nicht zur selben Gattung gehört der zu den Mannstreu-Pflanzen zählende Lange oder Mexikanische Koriander (Enrygium foetidum). Sein mittelamerikanischer Name „Cilantro“ ist verwirrenderweise in den USA auch die Bezeichnung einer Zuchtunterart des Echten Korianders. Das in der südostasiatischen Küche beliebte Knöterichgewächs Vietnamesischer Koriander (Persicaria odorata) hat als nelkenartige Pflanze zum Echten Koriander eine noch geringere verwandtschaftliche Nähe als der Mexikanische Koriander.
Der Echte Koriander hat zahlreiche regionale Trivalnamen wie Chinesische oder Indische Petersilie, Schwindelkraut oder Wanzendill.

Merkmale der Pflanze

Der Echte Koriander ist eine einjährige krautige, also nichtverholzende, Pflanze, die abhängig von Umweltbedingungen und Varietät etwa zwischen 25 und 125 cm hoch wird. Die Form der Blätter am vielastigen Stängel ist nicht einheitlich. Junge Blätter sind rundlich, ältere dagegen eingekerbt und fiedrig. Die wildmöhrenähnliche Wurzel ist hellbräunlich bis fast weiß. Koriander treibt in der Zeit von Juni bis August creme- oder weißfarbene Doldenblüten mit jeweils fünf Blättern aus. Die sich in den Fruchtständen entwickelnden gelb-bräunlichen Korianderbeeren haben einen durchschnittlichen Durchmesser von etwa vier Millimeter. Die Samen haben wie die Blüten einen relativ intensiven, an Wanzen erinnernden Geruch. Der Name „Koriander“ leitet sich vom altgriechischen Begriff für „Wanze“ ab. Zu den Inhaltsstoffen der Koriander-Früchte zählen insbesondere Anteile an fetten Ölen und in weit geringerer Konzentration auch ätherische Ölanteile (“Korianderöl“), die durch Dampfverfahren aus den Samen destilliert werden können.

Geschichte und Verbreitung

Es wird angenommen, dass der Echte Koriander keine Wildform darstellt, sondern Ergebnis züchterischer Anstrengungen ist. Demnach handelt es sich bei den häufigen Koriander-Vorkommen in freier Natur um verwilderte Kulturpflanzen. Wo die Ursprungsheimat des Korianders lag, ist nicht eindeutig geklärt. Vermutlich wurden erste Koriander-Pflanzen vor etwa 7000 Jahren im Levante-Raum oder im Mittleren Osten, eventuell im Iran, gezogen. Koriander-Samen fanden sich bei den Grabbeilagen altägyptischer und babylonischer Herrscher. Im östlichen Asien ist die Pflanze im Spätaltertum heimisch geworden. In Europa nördlich der Alpen wurde Koriander möglicherweise in Folge der Kreuzzüge spätesten im 11. Jahrhundert bekannt. Im 17. Jahrhundert gelangte Koriander durch europäische Einwanderer auch nach Amerika. Heute ist die Pflanze weltweit in vielen subtropischen und gemäßigten Zonen durch zahlreiche Zuchtformen wie „Caribe“ oder „Jantar“ vertreten. Der Anbau erfolgt sowohl in Feld- als auch in Treibhauskulturen. Der nicht allzu anspruchsvolle, bedingt sogar frosttaugliche Koriander gedeiht optimal auf leichten Böden an halbschattigen Standorten. Zu den wichtigsten Anbauländern gehören Marokko, Rumänien und Russland.

Koriander als Küchengewürz

Koriander als Gewürz

Frisch geernteter Koriander
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Als Gewürz wird Koriander vielseitig eingesetzt. Dabei kommen insbesondere die getrockneten beziehungsweise gerösteten Samen und die frischen, geschmacklich an Zitrusfrüchte und Pfeffer erinnernden Blätter („Korianderkraut“) zur Anwendung. Ferner werden die kleingehackten Stängel ebenfalls zum Würzen genommen. In vielen Ländern gehört Koriander zur Nationalküche. In anderen Ländern, so wie in Deutschland, gibt es viele Menschen, die den Genuss von Koriander wegen des von ihnen als „wanzig“ eingestuften Geruchs oder des als „seifig“ wahrgenommenen Geschmacks vehement ablehnen. Korianderkraut ist in Lateinamerika wichtiger Bestandteil von Guacamole und Salsa. In Süd-, Ost- und Südostasien gehören Korianderblätter zum Standard bei Salaten, Currys und Chutneys. Große Anteile der globalen Koriander-Ernte werden als Zutat für Curry-Pulver verarbeitet.
Die als Begleiterin von Rindfleischgerichten klassische argentinische Sauce Chimichurri wird gern mit Koriander-Blättern garniert. Die als Spezialität der Kanaren berühmte grüne Sauce Mojo verde basiert zum großen Teil auf Korianderblättern. Den herb-süßaromatischen Samen der in Deutschland gezogenen Koriander-Unterart Thüringer verdanken viele ostdeutsche Wurstspezialitäten ihren charakteristischen Geschmack. Die Samen finden aber auch als Gewürz für Liköre oder als Backzutat Verwendung. So zum Beispiel in Franken, wo etliche Brotsorten unter Beigabe von Koriander gebacken werden.

Koriander in der Naturheilkunde

Koriander galt bereits in der Antike als Heilpflanze. Das ätherische Öl der Koriander-Pflanze steht im Ruf, den Appetit anzuregen. Auch sollen die im Korianderöl enthaltenen Phenole als Heilstoffe bei bestimmten Magen- und Darmerkrankungen wirksam werden können. Zudem gibt es Hinweise auf eine präventive Wirkung von Korianderöl im Zusammenhang mit den Gefährdungen durch bakterielle Infektionen (zum Beispiel durch antibiotika-resistente „Krankenhauskeime“ oder als Folge von Lebensmittelvergiftungen). Von Naturheilkundlern wird zudem auf mutmaßliche Qualitäten des Korianders als Ausleitungsmittel hingewiesen. Danach unterstützt regelmäßige Zufuhr mit Korianderkraut oder –samen den Körper bei der Ausscheidung von über Ernährung oder Atemluft aufgenommenen toxischern Schwermetall-Partikeln. Ferner ist Korianderöl in der Volksmedizin als Mittel bei schlechtheilenden Wunden oder Hauterkrankungen gebräuchlich.

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