Ayurveda und Ingwer: Die Kraft der Wurzel

Ingwerwurzel in Ayurveda

Ingwer spielt in der Ayurvedischen Medizin eine zentrale Rolle
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Die Ingwerwurzel ist eine der wichtigsten Heilpflanzen, die in der alten indischen Gesundheitslehre des Ayurveda vorkommen. Der unterirdische Wurzelstock des in den Tropen und Subtropen wachsenden Ingwer liefert einen zähflüssigen Balsam aus ätherischen Ölen und einem ausgeprägten Scharfstoff. Speziellen Zubereitungen aus diesem Rhizom werden antioxidative und entzündungshemmende Wirkungen nachgesagt. Außerdem regen verschiedene Substanzen aus der Ingwerwurzel die Bildung von Magensaft, Speichel und Galle an. Damit werden die Darmfunktion sowie auch Appetit und Blutkreislauf positiv beeinflusst. Ingwer hemmt außerdem die Neigung zum Erbrechen. Im Ayurveda wird das Wurzelgewächs daneben gegen Erkältungen, Muskelschmerzen und Rheuma eingesetzt. Besonders in Japan wird die aphrodisierende Wirkung von Ingwer geschätzt. Außer seiner Bedeutung als Arzneidroge findet Ingwer ebenso als Küchengewürz in Suppen und zu Geflügel Verwendung. Oft wird die Wurzel in Wasser gelöst oder aufgekocht eingenommen. Ingwer kommt in Getränken wie Ginger Ale und in Pfefferkuchen (Gingerbread) vor.

Ätherische Öle – scharf und sehr gesund

 Ingwerwurzel Ayurvedische Gesundheitslehre

Ingwer symbolisiert die Ganzheitlichkeit der ayurvedischen Heilkunde
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Die Ingwerpflanze ist krautig und erklimmt maximale Wuchshöhen von etwa 150 Zentimetern. Das Rhizom breitet sich in der Erde horizontal aus, ist im Inneren gelblich und sehr aromatisch. Im Geschmack ist Ingwer brennend scharf und ausgesprochen würzig. Neben den ätherischen Ölen enthält Ingwer auch diverse Harzsäuren sowie Calcium, Eisen, Kalium, Magnesium, Natrium, Phosphor und Vitamin C. Hauptanbaugebiete sind gegenwärtig u.a. Sri Lanka, Indien, Indonesien, China, Japan und Vietnam sowie Nigeria. Als größter Exporteur tritt derzeit China in Erscheinung. Roher und getrockneter Ingwer fanden bereits in uralten chinesischen Schriften Erwähnung. Im 5. bis 6. Jahrhundert wurden erstmals die Wirkungsunterschiede zwischen ihnen herausgearbeitet. Ein taoistischer Arzt schrieb dem rohen Ingwer die Fähigkeit zu, auf der Hautoberfläche von außen eindringende Erkältungen abwehren zu können. Er wärme den oberen Verdauungstrakt, löse Schleim und lindere Husten. Getrockneter Ingwer zeige ähnliche Wirkungen, jedoch von innen durch Verzehr.

Warmes Wasser ein zentrales Element im Ayurveda

Ingwertee Wasser Aufguss

Ein Aufguss oder Tee auf der Basis von Ingwer eigent sich optimal für ayurvedische Anwendungen.

Im Ayurveda ist das Trinken von warmem Wasser ein zentrales Element. Es kann mehrmals am Tag pur getrunken werden, jedoch auch gut als Aufguss oder Tee mit Ingwer. Dem puren warmen Wasser werden im Ayurveda entschlackende und entgiftende Wirkungen zugetraut. Das Wasser soll gründlich abgekocht und über den Tag verteilt in kleinen Schlucken getrunken werden. Damit es immer warm ist, wird es am besten in einem geeigneten Thermosgefäß aufbewahrt. Speziell warmes Wasser genießt in der ayurvedischen Lehre die Vorzüge, den Körper zu erwärmen und ihm Energie zuzuführen, die Verdauung harmonisch anzuregen sowie Müdigkeit zu verdrängen. Ein Ingwertee oder heiß aufgegossene Ingwerscheiben verstärken diese wohltuenden Effekte noch. Das Heißgetränk wird am besten zuerst früh auf nüchternem Magen genossen.

Jeder kann selbst das Beste für seine Gesundheit tun

Ingwer ist in beinahe allen bekannten ayurvedischen Heilmitteln zu finden, ob im Tee, Öl oder Badezusatz. Die Wurzel kann mit vielen anderen Nahrungsmitteln, zum Beispiel Säften, Mus, Joghurt oder Müsli kombiniert werden. Ingwer symbolisiert somit die Ganzheitlichkeit der ayurvedischen Heilkunde. Gesundheitlichen Einschränkungen wird mit natürlichen Mitteln begegnet, am liebsten schon präventiv. Der Grundsatz gilt: Was jeder selbst tun kann, um seine Gesundheit zu stärken, wirkt besser als das, was andere dafür tun. Ist die Konsultation eines Arztes notwendig, wird dieser seinen Patienten grundsätzlich ohne medizinische Geräte behandeln. Er misst den Puls, schaut auf die Färbung und Spannung der Haut, den Zustand der Augen sowie das Aussehen der Zunge. Entscheidende Informationen bezieht der Arzt aus den Angaben des Patienten über dessen Ernährung, das Schlafverhalten, die körperliche Bewegung und den seelischen Zustand.

Für ein Gleichgewicht der Lebensenergien

Ayurveda - Lebensenergien

In der ayurvedischen Lehre gibt es 3 Doshas (Lebensenergien) und 5 Elemente.
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Sodann lassen sich Rückschlüsse auf die sogenannten Doshas, die Lebensenergien des Patienten, ziehen. Diese sind:

  • Vata (Wind, Luft, Äther – das Bewegungsprinzip)
  • Pitta (Feuer, Wasser – das Stoffwechselprinzip)
  • Kapha (Erde und Wasser – das Strukturprinzip)

Dosha bedeutet wörtlich Fehler oder Fehlerpotential und weist auf ein Ungleichgewicht der drei Energien hin. Der Arzt wird dieses Ungleichgewicht herausfinden und die entsprechenden Energien wieder stärken. Neben Umstellungen der Ernährung kann er auch Reinigungsverfahren (Panchakarma) anwenden. Dazu zählen Fastenkuren, Bäder, Aderlässe, Einläufe, Massagen sowie Yoga- und Atemübungen. Eine große Palette pflanzlicher Arzneimittel steht dem ayurvedischen Arzt ebenso zur Verfügung.

In Ruhe und niemals zu viel essen

Körper, Sinne, Verstand und Seele verstehen sich im Ayurveda als eine große, untrennbare Einheit. Das Wachsen und der folgende Verfall jedes Menschen werden prinzipiell auf seine Ernährung bezogen, die Basisstoffe braucht und Abfallprodukte hinterlässt. Je besser der Mensch seinen Körper kennt und auf ihn hört, desto gesünder wird er sein und bleiben. Sich ayurvedisch ernähren, heißt nur bei Hunger und stets in Ruhe essen, die Hauptmahlzeit immer mittags einnehmen, vor der völligen Sättigung aufhören (nur die berühmten zwei Hände voll verzehren) und möglichst frische Lebensmittel verspeisen. In jeder Mahlzeit sollten nach Möglichkeit alle sechs ayurvedischen Geschmacksrichtungen vorkommen: süß, sauer, salzig, scharf, bitter und herb. Frühmorgens und abends (am besten spätestens 19 Uhr) sollten nur kleine Mahlzeiten eingenommen werden, um dem natürlichen Verdauungsprozess entgegenzukommen. Alle natürlichen Regungen des Körpers vom Stuhlgang über das Aufstoßen bis zum Gähnen dürfen immer stattfinden, wenn sie an der Reihe sind. Früchte sollten nicht in einem Gang mit anderen Lebensmitteln verzehrt werden, sondern nur für sich allein. Ayurveda heißt darüber hinaus keineswegs völliger Fleischverzicht. Stattdessen ist achtsamer Verzehr guten Fleisches vorgesehen. Alkohol, speziell Wein, gilt in überschaubaren Mengen als vorzügliches Medikament gegen zu große Müdigkeit.

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